Aktuelle Beobachtungstipps

Was ist los im Juni?


Blühende Riedwiese - Foto: NABU
Blühende Riedwiese - Foto: NABU

Lange Tage - kurze Nächte, der Monat Juni läutet den Sommer ein. Wer es nicht aus seinem Kalender erfährt, dem verrät ein Blick in die Natur, dass der Sommer da ist.  Immer dann, wenn der Holunder zu blühen beginnt, ist es so weit. Nicht nur kalendarisch geht im Juni der Frühling in den Sommer über. In der  Vogelwelt wird es langsam ruhiger, Jungenaufzucht ist nun angesagt. 

 

Oh wie putzig! Wasservogelfamilien

Der Sommer ist die Zeit der Wasservogelfamilien. Wer am Seeufer spazieren geht, hat recht gute Chancen diese zu beobachten. Übrigens, die kleinen Federknäule sind echte Frühstarter. Als Nestflüchter müssen sie wenige Stunden nach dem Schlupf bereits das Nest verlassen und treiben sich dann im Schlepptau ihrer Eltern im freien Gelände herum. Um diesen Umständen gewappnet zu sein, sind sie mit einem wetterfesten Daunenkleid und offenen Augen ausgestattet.

Blässhühner

Schon während der Brut lassen sich die Schwimmnester des Blässhuhns recht einfach entlang von Schilfkanten oder auch mitten auf dem Wasser ausmachen und bieten einen guten Anhaltspunkt, wenn man Ausschau nach den mit leuchtend roten Glatzköpfen und gelben Halskrausen sehr bunt gefärbten Küken halten will.

Stockenten

 Während Blässhuhnküken in ihren ersten Wochen noch fürsorglich gefüttert werden, schnappen Entenküken von Anfang an im Wasser mit ihren Schnäbeln nach Wasserinsekten und Algen. Aber nicht nur in dieser Hinsicht haben kleine Entchen einen schwierigeren Start ins Leben. Stockenten nämlich sind bei der Wahl ihres Niststandorts sehr kreativ und scheuen auch vor Bäumen und Hausdächern nicht zurück. Ein Sprung aus großer Höhe ist für die kleinen gelb-braun gemusterten Küken daher oft unausweichlich – aufgrund ihres geringen Gewichts überstehen sie diesen aber meist unbeschadet.

Haubentaucher

Die Haubentaucher befinden sich derzeit noch in der Warteschleife. Für sie ist der weitere Anstieg des Seepegels im späten Frühjahr entscheidend. Der richtige Zeitpunkt ist erst dann gekommen, wenn große Schilfflächen im Wasser stehen. Dann ergibt sich inmitten des Röhrichts ein ideal vor Feinden geschützter Brutlebensraum. Aber auch für Beobachter lohnt sich das Warten: Die schwarz-weiß gestreiften Küken geben besonders beim Ausruhen auf den Rücken ihrer Eltern ein sehr hübsches Bild ab.

 

Fußnote: „Verwaiste“ Jungvögel bitte nicht aufnehmen!

Jedes Jahr zur Brutzeit häufen sich Fundmeldungen über scheinbar hilflose Jungvögel und andere Tierkinder, die aus dem Nest gefallen sind. Man sollte solche Tiere auf keinen Fall gleich aufnehmen, sondern sie an Ort und Stelle belassen. Der Schein trügt häufig, denn die Jungen vieler Vogelarten verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist.

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Blässhuhn mit Küken - Foto: NABU/T. Dove

Junge Stockenten gehen sofort auf Entdeckungsreise - Foto: NABU/R. Jürgens

Haubentaucherküken suchen oft auf dem Rücken der Alttiere Schutz - Foto: NABU Rinteln/Kathy Büscher



Botanische Höhepunkte im Juni

Die Blüte der Riedwiesen findet im Monat Juni einen Höhepunkt. Das blau wogende Meer der Schwertlilien wird  abgelöst durch die rosa farbenen Blüten der Pracht- und Karthäusernelken. Auf den trockneren Strandwällen finden sich Ästige Graslilien, Glockenblumen und Leimkraut. In den feuchten Wiesen blühen jetzt die Sumpf-Stendelwurz und die Mückenhändelwurz.

Beobachtungstipp

Sie haben Lust bekommen diese Kostbarkeiten hautnah zu erleben? Normalerweise bieten wir Ihnen zu diesem Saisonhöhepunkt spezielle Führungen an. Da dies zur Zeit aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht möglich ist,  empfehlen wir Ihnen unsere Infopfade im Wollmatinger Ried und am Bodenseeufer Bodman-Ludwigshafen.

Prachtnelke (Dianthus superbus) - Foto: NABU/H. Werner



Libellen - fliegende Edelsteine zeigen ihre Flugmanöver

Libellen gehören seit Millionen von Jahren zu den wohl faszinierendsten Insekten. Jetzt im Juni sieht man sie wieder zu hauf über die Wasseroberfläche flitzen!

 

Aufgrund seiner Erscheinung und Größe sehr gut zu erkennen ist der Plattbauch (Libellula depressa). Das markante Erkennungszeichen dieser Großlibelle ist der breite und flache Hinterleib.  Nach dem Schlüfen sind die Plattbauch Männchen  zunächst wie die wie die Weibchen gefärbt hellbraun und gelb gefärbt. Erst nach einigen Tagen verfärbt sich der Hinterlaib blau.

 

Im Gegensatz zu anderen Libellen lässt das Weibchen die befruchteten Eier im Flug ins Wasser fallen, während es vom Männchen bewacht wird.

Plattbauch (Libellula depressa) - Foto: NABU/N. Schiwora



Kuckucksspeichel

Kuckucksspeichel oder Kuckucksspucke - das ist der volkstümliche Name für die die kleinen Schaumgebilde, die man jetzt häufig an den Stängeln krautiger Pflanzen entdecken kann. Diese "Spucke" stammt aber nicht vom Kuckuck, sondern von  Wiesenschaumzikaden (Philaenus spumarius), die damit ihre Larven schützen. Der Schaum schützt die Zikadenlarven vor Austrocknung und Fressfeinden.

 

Übrigens, die Wiesenschaumzikade hält den Weltrekord im Hochsprung! Die winzig kleine Zikade springt bis zu 70 Zentimeter hoch - ein Mensch müsste für einen vergleichbaren Sprung mehr als 200 Meter hoch springen!

Kuckucksspeichel - Foto: NABU/H. May


Einblick in unsere aktuelle Arbeit: Neophytenbekämpfung

Trotz Corona muss unsere Naturschutzarbeit weitergehen. Im Moment kümmern wir uns neben der Pflanzenzählung verstärkt um die Neophytenbekämpfung.

 

Neophyten sind Pflanzen, die nach 1492, in Europa absichtlich eingeführt oder unabsichtlich eingeschleppt wurden. Aufgrund günstiger Klima- und Umweltbedingungen können sich diese in der freien Natur gut ansiedeln und ausbreiten.

 

Bei der Neophytenbekämpfung geht es nicht um eine pauschale Ablehnung von neuen Arten, sondern um den geringen Anteil der sogenannten invasiven Neophyten.

 

Invasive Neophyten sind eingeschleppte Arten, die heimische Arten verdrängen, da sie konkurrenzstärker sind. Diese erweitern im Gegensatz zu den anderen Neophyten die Artenvielfalt und die Wildpflanzenflora nicht, sondern verändern spezifische Lebensbedingungen und die genetische Vielfalt.

 

Genau diese Arten bekämpfen wir in unseren Naturschutzgebieten. Entweder per Hand, mit Motorsensen oder bei großen und dichten Beständen mit dem Mulcher. Zu den invasiven Neophyten, die wir bekämpfen gehören unter anderem: indisches Springkraut (auch genannt drüsiges Springkraut (lat.: Impatiens glandulifera)), Riesen-Goldrute (lat.: Solidago gigantea), Kanadische Goldrute (lat.: Solidago canadensis) und Adlerfarn (lat.: Pteridium aquilinum).

 

Auch Sie können helfen die Ausbreitung invasiver Neophyten einzudämmen und somit die heimische Artenvielfalt zu schützen. Pflanzen Sie keine invasiven Arten als Zierpflanzen in Ihrem Garten an und vermeiden Sie illegale Kompostierung von Gartenabfällen, da dies zur Verwilderung der ausgesetzten Arten führen könnte.

Riesen-Goldrute (Solidago giganteaa) - Foto: NABU/A. Hafen

Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera) - Foto: NABU/C. Balthasar

Selektive Mahd mit der Motorsense - Foto: NABU