
Reichenau (Baden) Im Wollmatinger Ried spielt sich derzeit ein Naturgeschehen ab, das auf den ersten Blick vorborgen bleibt und doch zu den faszinierendsten Entwicklungen der heimischen Tierwelt gehört. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der Schmetterling des Jahres, fliegt jetzt über die Streuwiesen.
Sein Name verrät bereits, worauf sein Leben angewiesen ist. Nur dort, wo der Große Wiesenknopf wächst, kann sich der Falter fortpflanzen. Wie alle Ameisenbläulinge besitzt auch der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling einen verblüffenden Lebenszyklus. Seine Raupen entwickeln sich zunächst in den Blüten des Großen Wiesenknopfs. Anschließend lassen sie sich zu Boden fallen und warten darauf, von Knotenameisen gefunden zu werden. Dank einer raffinierten Täuschung werden sie ins Ameisennest getragen, dort wie eigene Brut versorgt und verbringen den Winter geschützt unter der Erde. Erst im folgenden Sommer schlüpfen die Falter und kehren auf die blütenreichen Wiesen zurück.
Wie eng dieses Zusammenspiel von Pflanzen, Insekten und Lebensräumen ist, erlebt Margarethe Venedey seit vielen Jahren aus nächster Nähe. Die Ehrenamtliche des NABU-Bodenseezentrums ist regelmäßig mit Fernglas und Zähluhr im Wollmatinger Ried unterwegs und dokumentiert die Schmetterlingsvielfalt. „Wer den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling entdeckt, sieht mehr als nur einen schönen Schmetterling. Er zeigt, dass im Wollmatinger Ried noch viele kleine Puzzleteile der Natur perfekt zusammenspielen“, sagt sie. Das Wollmatinger Ried zählt zu den artenreichsten Schmetterlingslebensräumen der Region. Seine extensiv bewirtschafteten Streuwiesen bieten zahlreichen spezialisierten Arten einen wertvollen Lebensraum. Dass diese Vielfalt bis heute erhalten geblieben ist, verdankt sich auch der sorgfältigen Pflege dieses einzigartigen Lebensraums.
Wer mehr über die faszinierende Welt der Schmetterlinge erfahren möchte, ist herzlich zu einem Vortrag des NABU-Bodenseezentrums eingeladen.
Vortrag: Schmetterlinge im Wollmatinger Ried – faszinierende Vielfalt vor unserer Haustür
Der Vortrag zeigt die bemerkenswerte Schmetterlingswelt des Wollmatinger Rieds und verdeutlicht, welche Bedeutung naturnahe, artenreiche Wiesen für spezialisierte Arten wie den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling haben.
Tipps für schmetterlingsfreundliche Gärten von Margarethe Venedey

Bereits Mitte Juni treiben die langen, bis zu Mensch-hohen Blütenstände des Blutweiderichs mit ihrer purpurroten Farbe aus den zum Teil dichten Beständen der letztjährigen Stauden.
Besonders auffallend wächst er seit ein paar Jahren im Hockgraben unterhalb der Jacob-Burckhardt-Straße. Er verdankt sein Vorkommen dort dem Biber, der Teile des Hockgrabengebiets überschwemmt hat. Noch vor 10 Jahren war hier eine normale Wiese. Der Biber hat dann mit seinen Dämmen auch den Egger Dorfbach aufgestaut und so ein schönes Biotop geschaffen, in dem sich Amphibien und Wasservögel wie das Teichhuhn sehr wohl fühlen und hunderte Libellen ihre Kreise ziehen.
Wegen seiner Attraktivität wird der Blutweiderich gerne als Zierpflanze an Gewässerrändern gepflanzt – zum Beispiel an Gartenteichen. An naturnahen, aber schilffreien Uferabschnitten des Bodensees tritt er nur in Niedrigwasserjahren auf, denn länger überschwemmt zu werden mag er eigentlich gar nicht.
Als Heilpflanze wurde der Blutweiderich bereits seit dem Altertum genutzt – auch gegen Ekzeme und angeblich gegen Ruhr und Cholera. Seine blutstillende Wirkung gab ihm wohl den deutschen Namen.
Botanisch gehört er zu der Familie der Weiderichgewächse, zu denen auch der Sumpfquendel gehört. Auch die seltene essbare Wassernuss ist nahe verwandt. Mit den ebenfalls attraktiven Gilbweiderich-Arten ist der Blutweiderich nicht verwandt.
In Deutschland ist der Blutweiderich eine gern gesehene Art, zumal sie im Sommer zahlreichen Insekten-Arten (besonders Bienen und Schmetterlingen) als ideale Nahrungspflanze dient.
In Nordamerika hingegen muss er als Neophyt bekämpft werden. Ein Auswanderer hatte ihn im 19. Jahrhundert mitgebracht und wegen seiner Attraktivität angepflanzt. Mangels Konkurrenten und Feinden aber hat er sich seither zügellos ausgebreitet. Er wird dort sogar als „violette Pest“ bezeichnet, weil er die Fließgeschwindigkeit von Gewässern stark reduzieren kann.
Im Hockgraben stellen die farbenfrohen Blutweideriche jedoch eindeutig eine optische Bereicherung dar, zur Freude für Spaziergänger- und RadlerInnen. Auch der Graureiher freut sich, wenn er durch das Flachwasser stolzieren kann, um sich manch guten Happen zu schnappen.
Text: Michael Dienst
Aufgrund der aktuellen Hitzewelle wird die für Samstag, 27. Juni, um 16:00 Uhr geplante große öffentliche Führung durch das Wollmatinger Ried in die kühleren Morgenstunden verlegt. Die Exkursion beginnt nun bereits um 6:00 Uhr und endet gegen 9:00 Uhr.
Die Verlegung hat die Möglichkeit, das Naturschutzgebiet in den ruhigen und temperaturmäßig angenehmen Morgenstunden zu erleben. Zu dieser Tageszeit sind viele Vogelarten besonders aktiv. Auf dem etwa fünf Kilometer langen Rundweg werden die vielfältigen Lebensräume sowie die Tier- und Pflanzenwelt des europaweit bedeutenden Schutzgebiets vorgestellt.
Treffpunkt ist das „Vogelhäusle“ bei der Kläranlage Konstanz in der Fritz-Arnold-Straße 2c. Die Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung beim NABU-Bodenseezentrum möglich.

Ihre Milch sollte man auf keinen Fall trinken und ihre Blüten sind eigentlich keine: Die schöne kleine „Zypresse“ wächst in Konstanz am Wegesrand.
Die Suche nach der Pflanze des Monats Juni dauert keine Viertelstunde. Sie wächst, recht unscheinbar, am Waldsaum neben einem Spazierweg im Hockgraben, wo die Sonne den Boden erwärmt. Trocken und nährstoffarm will sie es haben, ansonsten hat die Pflanze wenig Ansprüche. Sie ist keine Seltenheit und auch in der naturreichen Umgebung von Konstanz oft zu finden.
Der Name „Wolfsmilch“ rührt vom weißen Saft her, der beim Abbrechen aus Stängeln und Blättern quillt. Mit Milch hat der Saft (von Botanikern Latex genannt) außer der Farbe allerdings wenig zu tun: Ein Hautkontakt ist unangenehm ätzend und kann Allergien auslösen. Angeblich wurde er früher zum Bekämpfen von Warzen und für andere medizinische Zwecke verwendet, aber davon ist dringend abzuraten. Giftig sind der Saft und alle Teile der Pflanze nicht nur für den Menschen, sondern auch fürs Weidevieh. Dieses lässt die Pflanzen darum klugerweise einfach stehen.
Zypressen-Wolfsmilch heißt sie wegen ihren dünnen, an Nadeln erinnernden Blättern. Manche Pflanzen haben keine Blüten und erscheinen daher wirklich wie kleine Zypressen. Dann sind sie von einem Pilz, dem Erbsenrost, befallen, der sie unfruchtbar macht.
Die Gattung Wolfsmilch ist mit etwa 2000 Arten eine der reichsten Pflanzengattungen der Erde überhaupt. Die meisten wachsen in den Tropen und Subtropen, darunter auch Bäume und Sukkulenten mit dicken Blättern und Stacheln. Einige Arten sind bei Gärtnern als dekorativ beliebt und kommen oft sogar von selbst. Auch der rote Weihnachtsstern ist eine Wolfsmilch-Art und der Kautschukbaum, aus dessen Latex-Saft hochwertiges Gummi hergestellt wird, ist ein Verwandter aus der gleichen Pflanzenfamilie.
Ungewöhnlich ist die Blüte: Denn was aussieht wie eine Blüte, ist nur eine Scheinblüte aus mehreren sehr kleinen Einzelblüten, umgeben von gelben und roten Hüllblättern. Den gewünschten Effekt erzielen sie dennoch: Immerhin locken sie viele Insekten zur Bestäubung an. Denn so giftig sie für Säugetiere ist, so beliebt ist sie bei Insekten. Insgesamt dient sie rund 20 Schmetterlings-Arten oder ihren Raupen als Nahrungsquelle. Ameisen sammeln ihre ölhaltigen Früchte ein als Vorrat, was wiederum der Pflanze bei der Weiterverbreitung hilft.
Text: Hubert Beyerle

Seit fast 30 Jahren arbeiten die Randegger Ottilien-Quelle und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen und stellen über Rücketiketten auf den Flaschen verschiedene Natur- und Umweltthemen vor. Bei der diesjährigen Aktion dreht sich alles um den Lebensraum Wald.
„Die verschiedenen Motive auf den Flaschenrückseiten erfreuen sich bei unseren Kunden großer Beliebtheit“, so Clemens Fleischmann, der kaufmännische Leiter der Randegger Ottilien-Quelle, so, dass wir diese Form der gemeinsamen Präsentation gerne weiter fortführen“.
„Wir freuen uns alle an Wäldern, die in Baden-Württemberg fast 40% des Landes bedecken. Die vielfältigen Aufgaben des Waldes, wie z.B. Kohlenstoffspeicher und somit maßgeblicher Bestandteil für den Klimaschutz kennen wir. Aber es gibt auch viel tierisches Leben, teilweise im Verborgenen. So wird z.B. das Auerhuhn vorgestellt, dass nur noch auf wenigen Flächen im Schwarzwald vorkommt.“, erläutert Thomas Körner, Geschäftsführer beim NABU-Bezirksverband.
Die ausgewählten Tiere werden, wie bei den vorigen Aktionen, an Hand von 12 Rücketiketten in den folgenden Wochen auf den Flaschen der Randegger Ottilien-Quelle zu sehen sein.
„Gerne unterstützen wir wieder die wichtige Arbeit des NABU am
Bodensee mit einer Gesamtauflage von fünf Mio. Rücketiketten aber auch finanziell mit einer Spende in Höhe von 10.000 €“, sagt Clemens Fleischmann von der Randegger Ottilien-Quelle.

Reichenau (Baden) Am vergangenen Sonntag, den 26. April 2026, lud das NABU-Bodenseezentrum alle Naturinteressierten zu seinem ersten Tag der offenen Tür nach Reichenau ein. Mehr als 300 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung an den Rand des Wollmatinger Rieds und erlebten bei bestem Wetter ein abwechslungsreiches Programm rund um den Natur- und Artenschutz am Bodensee.
Spannende Einblicke in die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt in der Region gab es für Groß und Klein unter anderem auf einer Rallye durch das Naturerlebnisgebiet Göldern direkt hinter dem NABU-Bodenseezentrum, wo auch im restlichen Jahr die naturpädagogische Arbeit für Kinder und Familien stattfindet. „Es war uns wichtig, unser Angebot am Tag der offenen Tür einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Wir sind ganz begeistert von dem großen Interesse heute“, freut sich Susanne Schwab, verantwortlich für die Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit am NABU-Bodenseezentrum.
Auch die beiden naturkundlichen Führungen ins Wollmatinger Ried, die von zwei NABU-Ehrenamtlichen am Sonntag ausnahmsweise von Göldern aus über die Grünbrücke bis zur Vogelbeobachtungsplattform geführt wurden, erfreuten sich großer Beliebtheit. Kreativ und informativ ging es bei Kaffee und Kuchen rund um die beiden charakteristischen Holzgebäude des NABU-Bodenseezentrums zu: Hier erhielten die Besucherinnen und Besucher vielfältige und spannende Einblicke in ökologische Landschaftspflege, naturnahes Gärtnern und naturverträglichen Wassersport, und die beiden örtlichen NABU-Gruppen standen für einen informativen Austausch bereit.
Am Ende des Tages gibt es von Freiwilligen und Hauptamtlichen ein klares Fazit: „Es hat großen Spaß gemacht, diesen Tag mitzuorganisieren und das Programm mitzugestalten,“ resümiert die junge Freiwillige Imma Rieber, und Susanne Schwab fügt hinzu: „Unser erster Tag der offenen Tür war ein voller Erfolg. Wir freuen uns, das in Zukunft zu wiederholen.“

Vom NABU-Bodenseezentrum aus werden 28 wertvolle Schutzgebiete, unter anderem das 774 Hektar große Naturschutzgebiet "Wollmatinger Ried - Untersee - Gnadensee" und der 1.000 Hektar umfassende Lebensraumverbund „Westlicher Untersee“ gepflegt. Um Autofahrten zu vermeiden, setzt der NABU ein elektrisches Lastenrad ein. Das Rad trägt den Namen „Rudi Riedesel“ und ist eine Spende von TINK, der Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen.
„Bislang brauchten wir für den Transport von Werkzeugen und Material in die Schutzgebiete immer ein Auto, mit Rudi Riedesel geht das nun häufiger ohne“, so Lisa Maier vom NABU Bodenseezentrum bei der offiziellen Übergabe des Lastenrades. Marco Knöpfle von TINK setzt schon lange auf Lastenräder als Teil der Verkehrswende. „Vor 10 Jahren haben wir in Konstanz und Norderstedt die ersten öffentlichen Mietsysteme für Transporträder gestartet und seitdem viele Kommunen dabei unterstützt, ebenfalls solche Angebote zu schaffen. Das kommt gut in der Bevölkerung an und die Hälfte aller Nutzenden verzichtet nachweislich auf Autofahrten“ so Knöpfle.
Rudi Riedesel ist ein Rad aus einer Mietflotte, die TINK mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durch deutsche Städte touren ließ, unter anderem auch Singen und Leipzig. Die Idee, ein Rad dem NABU zu spenden, kam von Andrea Kiss bei einem Gespräch mit Maier und Knöpfle auf den Naturschutztagen in Radolfzell. Kiss unterstützt beide Organisationen bei der grafischen Gestaltung und steuerte mit ihrer Agentur auch den schicken Aufkleber für das Rad bei.
„Wir freuen uns riesig über das Lastenrad und werden es auch eifrig nutzen“ betont Maier bei der Übergabe des Rades. Dabei verrät sie auch, wie der Name Rudi Riedesel entstand: den haben sich Mitarbeitende des NABU Bodenseezentrums ausgedacht.
Ab dem 1. April startet das NABU-Bodenseezentrum in die Sommersaison. Die Ausstellung lädt nun auch wieder am Wochenende zu Entdeckungen ein und die Führungen in die Naturschutzgebiete Wollmatinger Ried und Halbinsel Mettnau finden wieder regelmäßiger statt. Ein idealer Zeitpunkt, um die Natur am westlichen Bodensee zu entdecken.
Jeden 1. Sonntag im Monat um 8:30 Uhr. Von April bis September zusätzlich jeden Samstag und jeden 1. und 3. Mittwoch um 16 Uhr
April bis August, jeden 2. und 4. Dienstag um 19.00 Uhr außerdem
jeden 3. Sonntag im Monat um 10.00 Uhr
Ein besonderes Schmankerl für Familien - unser Naturentdeckerrucksack:
Für Kinder und Familien hat das NABU-Bodenseezentrum einen Naturerlebnisrucksack im Angebot, der entwickelt wurde um die Wunder der Natur im NABU-Naturerlebnisgebiet Göldern zu erkunden. Einfach innerhalb der Öffnungszeiten des NABU-Bodenseezentrums vorbeikommen und gegen ein Pfand von 20 € ausleihen. Auch ein Verleih übers Wochenende ist möglich.
Öffnungszeiten Ausstellung NABU-Bodenseezentrum:
Mo - Fr: 9:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 17:00 Uhr (ganzjährig)
Sa - So / Feiertag: 13:00 - 15:30 Uhr (Apr - Sep, Okt - Mär geschlossen)
Unser neues Veranstaltungsprogramm ist erschienen und ab sofort erhältlich. Auch im kommenden Jahr erwartet Naturinteressierte ein vielseitiges Angebot an Veranstaltungen am westlichen Bodensee und im Hegau - für Erwachsene, Familien mit Kindern sowie fachlich Interessierte.
Ob geführte Exkursionen zu seltenen Tier- und Pflanzenarten, Aktiventreffen oder praktische Mitmachangebote im Naturschutz: Das Programm lädt dazu ein, die einzigartige Natur der Bodenseeregion zu entdecken und mehr über ihren Schutz zu erfahren.
Das Jahresprogramm ist im NABU-Bodenseezentrum erhältlich und steht außerdem online zum Download bereit.