Die Anfänge im Naturschutz

NABU_Historisches_Dietmar Heinz
NABU_Historisches_Dietmar Heinz

Das Wollmatinger Ried wurde bereits 1930 zunächst für 5 Jahre unter Schutz gestellt. Durch die Naturschutzverordnung vom 17.02.1938 für die Gebiete Wollmatinger Ried, Giehrenmoos und Dreifußwiesen auf den Gemarkungen Konstanz, Reichenau und Hegne erhielt die Uferlandschaft den endgültigen staatlichen Schutz.
Die früher sehr intensive deutsch-schweizerische Wasservogeljagd wurde 1985 verboten.
Die geschützte Riedfläche umfasste zunächst 465 Hektar, wovon 1964 zur Arrondierung des Konstanzer Gewerbegebiets "Unterlohn" ca. 5 Hektar aus dem Schutz entlassen wurden. Nach einer Erweiterung im Jahre 1980, durch welche die dem Ried vorgelagerten Wasserflächen auf dem Untersee und Gnadensee in das neue Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee" einbezogen wurden, vergrößerte sich die Fläche auf 767 Hektar.

 

 

Kultur- oder Naturlandschaft?

NABU_Heuballen_D.Heinz
NABU_Heuballen_D.Heinz

Im Frühsommer wird das Wollmatinger Ried häufig überschwemmt. Bei extremem Hochwasser sind bis über 95% der Schutzgebietsfläche vom Seewasser bedeckt. Trotzdem versuchte der Mensch seit Jahrhunderten möglichst große Teile des Gebietes landwirtschaftlich zu nutzen. Ein abwechslungsreiches Mosaik von Kultur- und Naturlandschaft entstand und wird heute weiter gepflegt.

Weitgehend natürliche Lebensräume finden sich in Ufernähe, z.B. die Flachwasserzonen, Schilfgürtel und Reste des ehemaligen Auwaldes. Die weiter landeinwärts liegenden Streu- und Futterwiesen entstanden dagegen durch landwirtschaftliche Nutzung.

 

 

Nutzungsgeschichte

NABU_Luftbild_Wollmatingerried_Hajo Dietz
NABU_Luftbild_Wollmatingerried_Hajo Dietz

Für die Seeanwohner war die Nutzung des Rieds infolge des unbeherrschbaren Wasserhaushalts nur in engen Grenzen möglich. Neben dem Fischfang und der Jagd auf Wasservögel war nur eine extensive Landwirtschaft möglich. Die Bewirtschaftung der Riedwiesen und der Schilfzone beschränkte sich in der Regel auf eine Mahd im Winterhalbjahr.

Um die Nutzungsmöglichkeiten zu verbessern, wurde bereits 1832 ein System von Abzugsgräben angelegt. Doch verhinderte das in der Regel bis Juni/Juli steigende Seewasser einen auf Dauer spürbaren großflächigen Entwässerungseffekt.

Das Wollmatinger Ried lieferte vor allem Einstreu für Viehställe, aber auch Schilfrohr für Gipsermatten.

Wegen der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurde seit Anfang der 1960er-Jahre die Streuwiesenmahd eingestellt. Die ausgedehnten Riedwiesen blieben ungemäht, so dass sich durch die natürliche Vegetationsentwicklung (Sukzession) Bäume und Sträucher ungestört ausbreiten konnten. Die Tier- und Pflanzenarten der Streuwiesen, welche von der regelmäßigen Mahd abhängig sind, wurden verdrängt. Um diese stark gefährdeten Riedarten zu erhalten, wurde seit den 1970er-Jahren die Pflege der Streuwiesen durch aktive Naturschützer wieder aufgenommen.

Aktuell das größte Problem ist, dass durch die immer noch fortschreitende Ausdehnung von Siedlungs- und Gewerbegebieten die Pufferzonen im Hinterland des Rieds wegfallen.

Einige Tierarten können bei Hochwasser nicht mehr ausweichen und sterben aus.

 

 

Wissenschaft und Forschung

NABU_kleines_Knabenkraut_A.Hafen
NABU_kleines_Knabenkraut_A.Hafen

Bereits seit rund 100 Jahren wird die Vogelwelt im Wollmatinger Ried intensiv beobachtet. Die regelmäßigen Zählungen und Brutvogelkartierungen geben ein gutes Bild über den Zustand des Gebietes. Bei den rastenden Zugvögeln helfen die Erfassungen mit, gesamteuropäische Populationsschwankungen zu erkennen.

Die regelmäßig durchgeführten Pflanzenzählungen seltener Arten geben Aufschluss über die Bestandsentwicklung der verschiedenen Orchideen, der Sumpf-Siegwurz und anderer Pflanzen.

In neuerer Zeit interessiert sich die Forschung auch für das Ökosystem "Ried" als Ganzes. Die durch die periodischen Wasserstandsschwankungen erzeugte Dynamik wird genutzt, um die Wechselwirkungen im Ökosystem besser verstehen zu lernen.

 

 

 

 

Der Bodensee

NABU_Abenddämmerung_H.Jacoby
NABU_Abenddämmerung_H.Jacoby

 

 

 

Das "Schwäbische Meer" ist der drittgrößte Binnensee Mitteleuropas. Hier einige Fakten zum Dreiländersee:

 

Fläche: 536 km² (Obersee 472 km², Untersee 63 km²)
Uferlänge: 273 km
Wasser-Einzugsgebiet: 11.500 km²
Mittlere Wassermenge: 48 km³
Durchschnittlicher Zufluss: 370 m³/sec
Größte Breite: 14 km (zwischen Friedrichshafen und Romanshorn)
Größte Länge: 69 km (zwischen Bregenz und Stein am Rhein)
Größte Tiefe:

254 Meter

 

 Der wichtigste Bodenseezufluss ist der Rhein, der als Alpenrhein an der schweizerisch-österreichischen Grenze in den See mündet und ihn bei Stein am Rhein verlässt.

 

Es wird angenommen, dass der Bodensee durch den würmeiszeitlichen Rheingletscher aus dem Molassebecken nördlich der Alpen herausgehobelt wurde (Molasse: Sedimente, die vor allem aus den Alpen auf ihrer Entstehung abgelagert wurden). Dazu kam besonders im westlichen Bodensee eine starke fluviatile Erosion (durch fließendes Wasser), die hier bis zur Hälfte die Gesamteintiefung bewirkte. Verursacht wurde sie durch die Umleitung des Alpenrheins nach Westen zum jetzigen Hoch- und Oberrhein hin, denn das Gefälle zur Oberrheinebene war erheblich größer als das zur Donau, zu der der Alpenrhein bis dahin entwässerte.

Rund 4,5 Millionen Menschen, vor allem im Ballungsraum Stuttgart, sind zum Löschen ihres Durstes, für ihre Körperpflege und ihre sonstigen Bedürfnisse auf das saubere Wasser des Bodensees angewiesen.

Mit seiner Lage am Fuß der Alpen, seiner guten Erreichbarkeit über Autobahnen, Flugplätze und Bahnlinien, seinem warmen angenehmen Klima sowie seiner großen Wasserfläche und seiner guten Wasserqualität ist der Bodensee und sein Umfeld einer der attraktivsten Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Erholungsräume Mitteleuropas.

Mehr als 1,3 Millionen Menschen wohnen und arbeiten heute im engeren Umfeld des Sees.

Rund 55.000 Wasserfahrzeuge tummeln sich auf der Wasserfläche. Die Fischerei versorgt sowohl die Bewohner des Seeumfeldes als auch viele Touristen mit qualitativ hochwertigen Speisefischen.

 

 

Pfahlbauten im Wollmatinger Ried

NABU_Autor Landesamt für Denkmalpflege BW
NABU_Autor Landesamt für Denkmalpflege BW

 

Weltkulturerbe vor der Insel Langenrain.

Bild (Autor Landesamt für Denkmalpflege BW)

Vor der Insel Langenrain in der Flachwasserzone des Wollmatinger Rieds finden sich Reste gut erhaltener spätbronzezeitliche Siedlungen.