Aktuelle Beobachtungstipps

Was ist los im Juli?


Schachbrettfalter - Foto: NABU/H. Werner
Schachbrettfalter - Foto: NABU/H. Werner

Im Monat Juli ist so richtig Sommer -  die Sonne steht hoch am Himmel und bringt die Luft zum Flirren. Der Juli ist nördlich des nördlichen Wendekreis der wärmste Monat im Jahr. Für viele Menschen bedeutet das herrlich entspannt am Badesee zu liegen und die Sonne zu genießen. Es lohnt sich jedoch genauer hinzusehen - in der Natur ist auch jetzt mächtig etwas los. Überall flattert und summt es um uns herum.  

 

Wenn die Federn fallen - Mauserzeit bei den Wasservögeln

Einmal alles neu bitte

Gleich nach der Brutzeit steht für viele Vögel das nächste große Event auf ihrem Jahresplan: Die Mauser. Darunter versteht man den durch die Abnutzung der Federn notwendigen Gefiederwechsel – ein Vorgang, der besonders heikel wird, wenn es an die für das Fliegen essentiellen Schwungfedern geht. Auf diese Art der Fortbewegung will kein Vogel freiwillig lange verzichten, weshalb sie üblicherweise der Reihe nach nur so wenige Schwungfedern auf einmal wechseln, dass der Rest zum Fliegen ausreicht.

Spezialfall Wasservogelmauser

Nicht so aber bei Enten, Gänsen, Schwänen und vielen weiteren Wasservögeln. Bei Ihnen wird zum Fliegen die gesamte Flügelfläche maximal ausgenutzt – jede einzelne Feder zählt und schon der Verlust einzelner Schwungfedern bedeutet für sie die Flugunfähigkeit!

 

Aber durch die Mauser muss man nun mal auch als Ente durch, also werden bei ihnen, um diese heikle Zeit auf ein Minimum zu beschränken, alle Schwungfedern auf einmal gemausert. Während den 3-6 Wochen der Federrückbildung mit beschränkter Mobilität sind sie dann natürlich besonders störungsempfindlich. Alle Energie wird in den Gefiederwechsel gesteckt und jeder weitere Energieverlust durch Störungen kann sich dabei folgenschwer auswirken.

Ruhe bitte

Hier kommen geschützte Wasserflächen mit angrenzendem Schilfgürtel ins Spiel. Von denen gibt es am Bodensee, insbesondere auf dem Untersee, zum Glück eine geeignete Auswahl:

 

Die entsprechenden Wasserflächen vor der Hornspitze, der Radolfzeller Aachmündung und dem Wollmatinger Ried müssen daher von Wassersportlern gemieden werden. Die Wasservogelwelt dankt dies mit hohen Rastbeständen: So sind es im Wollmatinger Ried etwa 4000 Kolbenenten, 1500 Höckerschwäne und 800 Schnatterenten, die die 270 Hektar große Wasserschutzzone zur Schwingenmauser nutzen – eine schöne Auszeichnung für unser Gebiet!

Wichtiger Hinweis!

Damit die Wasservögel in Ruhe mausern können, ist es essentiell, dass die Schutzgebietsgrenzen auch auf dem See eingehalten werden. Bitte achten Sie darauf nicht mit mit Booten, beim Surfen oder beim Schwimmen in die geschützten Bereiche einzudringen. Sie erkennen diese an den rot-weiß-roten Schifffahrtszeichen.

Stockentenerpel bei der Mauser. Die Schwungfedern wachsen gerade nach - Foto: NABU/S. Trösch

Die unter Schutz stehende Flachwasserzone bietet die benötigte Ruhe bei der Mauser - Foto: NABU/A. Hafen

Rot-weiß-rote Schifffahrtszeichen kennzeichnen die gesperrten Seebereiche; hier ergänzt mit einem Naturschutzgebietsschild  - Foto: NABU/A. Hafen



Faszinierender Lebenszyklus  -  Wiesenknopf-Ameisenbläulinge

Eine zurzeit besonders auffällige Pflanze im Wollmatinger Ried ist der große Wiesenknopf, dessen dunkelrote Blütenköpfchen auf den Streuwiesen leicht zu entdecken sind. Diese werden von vielen Insektenarten wie Bienen oder Ameisen gerne besucht. Für zwei streng geschützte Schmetterlingsarten aber ist der große Wiesenknopf sogar überlebenswichtig und Teil ihres raffinierten Kreislaufes.

 

Der Dunkle und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind Tagfalter, die ihren Lebenszyklus im Namen tragen. Das Weibchen legt im Frühsommer ihre Eier einzeln an die noch nicht geöffneten Blütenstände des großen Wiesenknopfs, von denen sich die Raupen ausschließlich ernähren. Nach einiger Zeit lassen sie sich fallen und warten darauf, von einer Knotenameise gefunden und in den Bau gebracht zu werden. Das funktioniert nur, weil die Schmetterlingsraupe in der Lage ist, den Nestgeruch der Ameisen zu imitieren und so als eigene Brut erkannt wird. Im Bau der Ameise wird sie durchgefüttert, ernährt sich zusätzlich räuberisch von den Ameisenlarven selbst und überwintert so als unerkannter Eindringling. Wenn sich die Raupe im Frühjahr verpuppt und noch im Ameisennest als Schmetterling schlüpft, fliegt die Tarnung allerdings auf und der Wiesenknopf-Ameisenbläuling muss sich schnell aus dem Staub machen. Hat er es geschafft, flattert der bläuliche Falter den Sommer über von Wiesenknopf zu Wiesenknopf und saugt dessen Nektar.

Beobachtungstipp

Sie haben Lust bekommen den Lebensraum dieser faszinierenden Schmetterlinge hautnah zu erleben? Dann kommen Sie mit auf eine unserer Führungen. Wir freuen uns auf Sie!

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling an der Futterpflanze seiner Raupen - Foto: NABU/J. Fleischner

Feuchtwiese mit Großem Wiesenknopf (Sanguisorba major) und Mädesüß (Fillipendula ulmaria) - Foto: NABU/S. Amann



Heuschrecken - hüpfende Hochleistungssportler

Macht man auch nur einen Schritt in die Wiesen in unseren Naturschutzgebieten, hüpft es zurzeit in alle Richtungen davon: Sommer ist Heuschrecken-Zeit. Was für uns aussieht wie ein tollpatschiger Hüpfer ist tatsächlich eine beachtliche Leistung – Heuschrecken können mit einem Sprung das 30-fache ihrer eigenen Körperlänge zurücklegen! Im Vergleich, bei uns Menschen würde das einen Sprung von rund 51 Metern bedeuten.

Die meisten Heuschrecken verbringen den Winter in ihrem Ei im Boden oder in einem Pflanzen-Stengel. Im Frühjahr schlüpfen sie dann als Larven und entwickeln sich langsam zum ausgewachsenen Tier. Heuschrecken durchlaufen dabei keine komplette Gestaltsveränderung, wie beispielsweise Schmetterlinge, sondern häuten sich einfach mehrere Male. Mit jeder Häutung werden sie ein bisschen größer, die Flügel werden länger und, ungefähr nach der 7. Häutung, sind die Tiere ausgewachsen. Als nächstes steht die Partnerwerbung auf dem Programm – die Männchen zirpen was das Zeug hält, um ein Weibchen anzulocken. Dabei gibt es zwei verschiedene Taktiken – manche Arten reiben ihre beiden Hinterflügel aneinander um einen Laut zu erzeugen, andere ziehen ihre langen Hinterbeine über eine Leiste an den Flügeln. Jede Heuschrecken-Art erzeugt so einen anderen Ton.

 

In unseren Schutzgebieten findet sich eine Vielzahl bedrohter Arten, die anderswo nur noch selten vorkommen. In den feuchten Bodenseeufer-Rieden fühlt sich so die Lauchschrecke wohl, eine bis zu 3 cm große Heuschrecke mit zwei schwarzen Längsstreifen auf der Oberseite. Ihren Namen hat die Lauchschrecke von der hellgrünen Farbe, die ein wenig an Schnittlauch erinnert.

 

Eine Besonderheit findet sich auch an den Hängen des Hohentwiel – in den trockenen, felsigen Bereichen der Weinberge fühlen sich die Ödlandschrecken wohl. Die Männchen dieser Art überzeugen ihre Weibchen nicht durch Zirplaute, sondern mit ihrer Färbung. Entfaltet die Blauflügelige Ödlandschrecke im Sprung ihre Flügel, kann man die leuchtend blaue Farbe erkennen!

 

Achten Sie beim nächsten Spaziergang doch einmal auf die kleinen Tierchen am Wegesrand oder in der Wiese – vielleicht können Sie sogar das Zirpen hören!

Grünes Heupferd auf Engelwurz - Foto: NABU/M. Knecht

Lauchschrecke  - Foto: C. Wappes

Blauflügelige Ödlandschrecke - Foto: NABU/I. Ludwichowski



Libellen - fliegende Edelsteine zeigen ihre Flugmanöver

Libellen gehören seit Millionen von Jahren zu den wohl faszinierendsten Insekten. Jetzt im Juni sieht man sie wieder zu hauf über die Wasseroberfläche flitzen!

 

Aufgrund seiner Erscheinung und Größe sehr gut zu erkennen ist der Plattbauch (Libellula depressa). Das markante Erkennungszeichen dieser Großlibelle ist der breite und flache Hinterleib.  Nach dem Schlüfen sind die Plattbauch Männchen  zunächst wie die wie die Weibchen gefärbt hellbraun und gelb gefärbt. Erst nach einigen Tagen verfärbt sich der Hinterlaib blau.

 

Im Gegensatz zu anderen Libellen lässt das Weibchen die befruchteten Eier im Flug ins Wasser fallen, während es vom Männchen bewacht wird.

Plattbauch (Libellula depressa) - Foto: NABU/N. Schiwora



Einblick in unsere aktuelle Arbeit: Neophytenbekämpfung

Trotz Corona muss unsere Naturschutzarbeit weitergehen. Im Moment kümmern wir uns neben der Pflanzenzählung verstärkt um die Neophytenbekämpfung.

 

Neophyten sind Pflanzen, die nach 1492, in Europa absichtlich eingeführt oder unabsichtlich eingeschleppt wurden. Aufgrund günstiger Klima- und Umweltbedingungen können sich diese in der freien Natur gut ansiedeln und ausbreiten.

 

Bei der Neophytenbekämpfung geht es nicht um eine pauschale Ablehnung von neuen Arten, sondern um den geringen Anteil der sogenannten invasiven Neophyten.

 

Invasive Neophyten sind eingeschleppte Arten, die heimische Arten verdrängen, da sie konkurrenzstärker sind. Diese erweitern im Gegensatz zu den anderen Neophyten die Artenvielfalt und die Wildpflanzenflora nicht, sondern verändern spezifische Lebensbedingungen und die genetische Vielfalt.

 

Genau diese Arten bekämpfen wir in unseren Naturschutzgebieten. Entweder per Hand, mit Motorsensen oder bei großen und dichten Beständen mit dem Mulcher. Zu den invasiven Neophyten, die wir bekämpfen gehören unter anderem: indisches Springkraut (auch genannt drüsiges Springkraut (lat.: Impatiens glandulifera)), Riesen-Goldrute (lat.: Solidago gigantea), Kanadische Goldrute (lat.: Solidago canadensis) und Adlerfarn (lat.: Pteridium aquilinum).

 

Auch Sie können helfen die Ausbreitung invasiver Neophyten einzudämmen und somit die heimische Artenvielfalt zu schützen. Pflanzen Sie keine invasiven Arten als Zierpflanzen in Ihrem Garten an und vermeiden Sie illegale Kompostierung von Gartenabfällen, da dies zur Verwilderung der ausgesetzten Arten führen könnte.

Riesen-Goldrute (Solidago giganteaa) - Foto: NABU/A. Hafen

Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera) - Foto: NABU/C. Balthasar

Selektive Mahd mit der Motorsense - Foto: NABU